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Presse

2009-09-24Interview zur Eröffnung der ersten Europcar-Filiale in Ostdeutschland im März 1990

Hamburg, den 24. September 2009 - Am 15. März 1990, noch zu Zeiten der DDR, wurde nach dem Mauerfall am Berliner Alexanderplatz die erste Autovermietung in Ostdeutschland von Europcar eröffnet. Stefanie Dargel (SD), Leiterin der Unternehmenskommunikation von Europcar, sprach mit der Regionalleiterin für die Region Ost, Diana Reick (DR) und mit Winfried Kratzsch (WK), Station Manager Berlin-Lichtenberg, über die damaligen Ereignisse. Beide sind von Anfang an dabei gewesen und schildern ihre Erlebnisse und lustige Anekdoten aus der Anfangszeit nach der Wende.

  

SD: Wie sind Sie im Jahr 1990 an den Job bei Europcar gekommen und was hatten Sie vorher gemacht?

  

WK: Ich war zu DDR Zeiten ein Mitarbeiter bei dem VEB (Volkseigener Betrieb) Auto Trans Berlin, der für den Verleih von PKWs und LKWs zuständig war. Als am 15. März 1990 die erste Europcar Station am Alexanderplatz in Berlin eröffnete, wurde ich dort eingestellt. Drei, vier Wochen später eröffnete die nächste Filiale in Berlin Lichtenberg. Da bin ich dann hingekommen und arbeite dort immer noch, also seit fast 20 Jahren.

 

DR: Zum Verständnis: Europcar konnte damals nicht einfach eine Autovermietstation eröffnen. Das ging nur mit einem DDR-konformen Kooperationspartner, also sind wir gemeinsam mit dem VEB Auto Trans Berlin gestartet.

Ich war seit 1987 stellvertretenden Stationsleiterin bei der Europcar Station Berlin Tegel Airport. 1991 wurde ich dann Stationsleiterin am Berlin Alexanderplatz.

 

SD: Wie lief das damals mit der Autovermietung in der DDR, konnte jeder Bürger ein Auto bei Autotrans mieten?

 

WK: Nein, es ging überwiegend um Versicherungsfälle. Wenn ein Bürger einen Unfall hatte und dann mobil bleiben musste, konnte er ein Auto bekommen. Aber in dem Umfang wie heute gab es das nicht. Autos wurden nur gezielt vergeben.

  

SD: Kam es auch vor, das sich Leute übers Wochenende ein Auto ausleihen wollten, weil sie keines hatten?

 

WK: In Einzelfällen war das schon mal möglich, aber dafür brauchte man Connections. Die entsprechenden Leute, die da an den richtigen Schalthebeln saßen. Dass man so wie heute ins Internet geht oder anruft und sich ein Auto mietet, gab es nicht. Das war komplettes Neuland.

 

SD: Und für Umzüge? Konnten die Bürger dafür Transporter nutzen?

 

WK: Nein, das gab es nicht. Es gab Gütertaxen oder man kannte jemanden, der einen Hänger hatte.

 

SD: Also war es eher eine Autoverwaltung als eine Autovermietung?

 

WK: Ja, der Fuhrpark war bis dahin sehr begrenzt. Zu Anfang war Autovermietung also richtiges Neuland für uns. Der Zuspruch war sehr groß.

 

SD: Was für Fahrzeuge hatten Sie zu DDR-Zeiten in der Flotte?

 

WK: Trabant, Wartburg, Lada - die ganz normalen Ost-Autos.

  

SD: War es von Anfang an so, dass eine Ostmark gleich eine DM war?

Konnte man für 20 DM ein Auto mieten?

 

WK:  Zu Anfang hatten wir noch zwei Kassen, da gab es noch D-Mark und Ost-Mark, wir hatten da einen Umrechnungsfaktor. Da mussten mehr Ostmark auf den Tisch gelegt werden.

 

SD: Wie hat das angefangen? Wie viele westdeutsche Autos haben ab dem 15. März 1990 zur Verfügung gestanden?

 

WK: Vor Ort hatten wir zuerst 20 Autos, der Fuhrpark wurde dann stufenweise aufgefüllt, zum Schluss waren es 100.

 

SD: Und was für Autos waren dann in der Flotte?

 

WK: Gute Autos wie Golf, Audi oder Mercedes.

 

SD: Und war am 15. März viel los vor Ihrer Tür?

 

WK: Ja, ich kann mich noch erinnern, dass die Leute draußen Schlange gestanden haben, um eine Auto zu bekommen. Wir haben Traumumsätze gemacht! Am 15. März wurde vor dem Betrieb ein Zelt aufgebaut und Werbeartikel verteilt. Da wurden auch gleich die ersten Reservierungen gemacht.

  

DR: Die Leute wollten für die Reservierungsaufnahme sogar bezahlen. Früher, in der DDR, hat man immer ein wenig Geld gezahlt, wenn man Dinge schnell haben wollte. Die kannten das gar nicht anders. Deshalb habe ich mich zu Beginn immer gewundert, warum wir immer eine so gut gefüllte Kuchenkasse hatten.

 

SD: Konnten die Leute sofort mit den Autos fahren oder mussten Sie sie erst einmal einweisen?

 

WK: Eine kurze Einweisung gab es schon. Die DDR-Bürger waren aber sehr praktisch, sie kamen gut mit den Autos zurecht.

  

SD: Gab es keine höhere Schadensquote?

 

WK: Hohe Schadensquoten gab es nicht. Die Leute haben sich erst einmal mit den Autos beschäftigt, bevor sie losgefahren sind. Wir haben uns anfangs immer gewundert, warum sie nicht losfuhren. Sie standen erst einmal eine halbe Stunde draußen und haben sich das Auto angeguckt. Die waren so begeistert, wenn sie das Auto zurückgegeben haben, dass sie gleich ein neues reserviert haben.

 

SD: Und wissen Sie, was für Ziele die Menschen hatten? Wollten sie einfach einen Audi fahren oder Verwandte im Westen besuchen?

  

WK: Viele wollten erst einmal ein West-Fahrzeug ausprobieren, um sich später eins zu kaufen. Für viele war es aber auch spannend, einfach mal über die alte Grenze zu fahren.

  

DR: Ich glaube nicht, dass es Autofreaks gewesen sind, aber es stand schon hoch im Kurs, mal in so einem Auto fahren zu können.

  

SD: Von dem Zeitpunkt an liefen die Ost-Autos nicht mehr?

 

WK: Nein, in unserem Betrieb gab es die nicht mehr. Die blieben bei der BVG.

 

DR: Es gab einen ganz neuen Fuhrpark. Und der Ansturm war wirklich groß, nun ein West-Auto fahren zu können, damals im März 1990.

 

SD: Wie war das für Sie damals, diese Idee von der Autovermietung in Ostdeutschland?

 

DR: Die Idee war einfach, den Markt zu erobern. Und das so schnell wie möglich und vorrangig vor anderen. Was uns mit der Station am Alexanderplatz geglückt ist. Danach kam direkt Lichtenberg. Weiter ging es mit Halle, Schwerin, Leipzig, Potsdam. Wir haben versucht, so schnell wie möglich Netzwerke aufzubauen. Es war eine wilde Zeit damals! Innerhalb von zwei Jahren haben wir gut 20 Stationen aufgemacht und waren flächendeckend in der Region Ost vertreten.

 

SD: Wie viele Stationen haben wir heute in der Region Ost?

 

DR: Es gibt es heute 80 Stationen, 4500 Fahrzeuge und circa 155 Mitarbeiter. Was mich besonders freut: Unsere erste Ost-Station, die am Alex, ist heute die umsatzstärkste Station in ganz Deutschland!

 

SD: Was waren denn die beliebtesten West-Autos?

 

WK: Für den Durchschnittbürger war es der Golf. Vor der Wende sind auch schon einmal ein paar Golfs in der DDR eingeführt worden. Die Marke VW, Benz und Audi sind die Favoriten gewesen. BMW weniger.

 

SD: Konnte sich der durchschnittliche Bürger aus dem Osten das denn leisten?

  

DR: Ja, das war kein Problem. Das konnten sie.

 

SD: Haben sich viele Leute bei Europcar damals beworben? War das ein attraktiver Arbeitsplatz?

 

WK: Auf jeden Fall, es gab damals viele Anfragen.

 

DR: Ich kann das nur bestätigen. Teilweise haben wir aber auch Personal „verordnet" bekommen, dazu kann ich eine lustige Anekdote erzählen: Ganz am Anfang, noch zu Zeiten der Kooperation mit der VEB, war es schwierig, geeignete Locations für Stationen zu finden. Endlich hatte ich ein passendes Ladenlokal gefunden. Es gab aber eine Bedingung seitens des VEB zu diesem Laden, nämlich die drei Mitarbeiter zu übernehmen inklusive der gesamten Ladeneinrichtung. Zu erwähnen ist jedoch, dass dieser Laden vorher eine Bäckerei war.

Kein Problem, wir waren ja flexibel und gut im Einarbeiten neuer Kollegen! Allerdings hat sich dann herausgestellt, dass die drei Mitarbeiter keinen Führerschein hatten! Deshalb bekamen sie die Auflage, binnen eines halben Jahres einen Führerschein zu machen.
Ich war Stationsleiterin zu der Zeit und eigentlich mit anderen Aufgaben betreut, vollführte jetzt aber die Aufgaben der drei neuen Kollegen und war dem lieben langen Tag im Straßenverkehr unterwegs, und die saßen im Büro. Es war eine spannende Zeit damals. Das Mobiliar der Bäckerei habe ich dann verkauft via „Zweite Hand".

 

Allerdings muss ich sagen, dass auch heute der Run auf Stellenausschreibungen im Osten nach wie vor sehr groß ist. Bei der letzten Ausschreibung haben wir zwei Umzugkartons voll mit Bewerbungen bekommen und ich hätte jede Vermietassistenten-Stelle in Berlin mit Akademikern besetzen können.

 

SD: Wurden damals die meisten Stellen mit ehemaligen DDR-Bürgern besetzt?

 

DR: Überwiegend ja. Teilweise haben wir auch Kollegen aus dem Westen rekrutiert, die schon Europcar Know-how mitbrachten. Diese Leute sind dann häufig geblieben, weil es ihnen gefallen hat - und wurden zum so genannte „Wossi". Heute sind wir ein sehr gemixter Haufen aus sämtlichen Regionen.

 

SD: Das Klischee hat sich also nie bestätigt, das der „Ossi" nicht so effizient arbeitet, weil er das Leistungsprinzip nie erfahren hat?

 

DR: Ganz im Gegenteil, die Leute aus dem Osten hatten gelernt, neuen Dingen gegenüber offen zu sein, was der „Wessi" eben nicht musste. Ich hatte jetzt mein 25jähriges Jubiläum bei Europcar und kann sagen, dass ich mit den „Ossis" sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Sie sind unprätentiös und mit Elan an neue Dinge rangegangen und haben gesagt: „Wir machen das jetzt einfach!"

Eines möchte ich auch noch betonen, das ich bei Europcar sehr geschätzt habe: Zwischen Ost und West wird und wurde nie ein Unterschied bei den Gehältern gemacht.

 

WK: Sehr gut ist bei den Mitarbeitern auch angekommen, dass man fachlich gut unterstützt worden ist. Es gab viele Gespräche und Seminare und die Mitarbeiter hatten die Möglichkeit, mal 14 Tage in andere Abteilungen reinzuschauen, um das Geschäft zu lernen.

 

SD: Gibt es noch eine lustige Anekdoten aus der Anfangszeit?

 

DR: Ein kurioses Hindernis war die Telefonie. Wir mussten anfangs das Telefon sehr stark nutzen, um uns mit Weststationen auszutauschen. Wir hatten nicht die Computer-Systeme wie im Westen und es fehlten auch die nötigen Leitungen.

Das Problem war nur, dass es in der DDR nicht so erwünscht war, von Ost-Berlin nach West-Berlin zu telefonieren. Wir mussten immer eine Vorwahl wählen, um in den Westen telefonieren zu können. Leider kam man nie durch, weil immer besetzt war. Ich hatte ja aber genug Mitarbeiter und habe einen dafür eingesetzt, dass er den ganzen Tag nur diese Vorwahl wählte. Ungefähr dreimal am Tag hatte er Glück und rief dann „Diana, komm schnell, du kannst jetzt telefonieren!"

Dann erhielten wir Funktelefone, das war damals das alte C-Netz. Was aber sehr schön war: Immer, wenn die S-Bahn kam, ging das Telefon nicht. Nun war Berlin-Alexanderplatz Haupt-Umsteige-Bahnhof und ständig kam eine Bahn. Ich kannte den ganzen S-Bahn-Fahrplan auswendig! In Dresden zum Beispiel mussten sie manchmal auf einen Berg fahren, bis das Telefon funktionierte. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Man musste sich damals eben irgendwie behelfen.

 

  

Über Europcar

Europcar Deutschland gehört zum weltweiten Europcar Verbund und ist mit einem Netz von bundesweit mehr als 500 Stationen führend in der Branche. Hohe Qualitätsstandards sowie konsequenter Umweltschutz gehören für Europcar zur Unternehmensphilosophie. Seit mehr als zehn Jahren ist das Unternehmen mit der Qualitätsnorm ISO 9001 zertifiziert, für sein Umweltmanagementsystem hat Europcar 2009 eine Zertifizierung nach der Norm 14001 erhalten. Darüber hinaus hat sich das Unternehmen auf eine globale Umwelt Charta für alle Ländergesellschaften verpflichtet, die durch das Bureau Veritas beglaubigt ist. Zahlreiche Auszeichnungen wie der Business Traveller Award „Bester Autovermieter in Deutschland" oder der World Travel Award „World's Leading Leisure Car Rental Company" bestätigen die Kundenorientierung.

 

Europcar Fahrzeuge sind buchbar unter http://www.europcar.de/, telefonisch unter 0180/58000 (0,14 €/Min. aus dem dt. Festnetz, Mobilfunkpreise ggf. abweichend) und an allen Europcar Stationen.

 

 

Pressekontakt

Europcar Autovermietung GmbH

Stefanie Dargel

Leiterin Unternehmenskommunikation

Tel. (040) 52018-2327

Fax (040) 52018-11-2327

stefanie.dargel@europcar.com



 
 
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